Sächsische Gerichtsbücher im Netz: neues Online-Portal für Bürger, Wissenschaft und Forschung

ein Bericht von SaxoniaNews aus Chemnitz

Das Sächsische Staatsarchiv hat ab 2013 in einem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG, geförderten Projekt die sächsischen Gerichtsbücher elektronisch erschlossen und online nutzbar gemacht. Das Staatsarchiv erhielt dafür von der DFG eine Sachbeihilfe von 393.600 € und stellte ein Drittel der für das Vorhaben nötigen Gesamtkosten als Eigenleistung zur Verfügung.

Gerichtsbücher gehören zu den am häufigsten genutzten Quellen im Sächsischen Staatsarchiv. Sie sind flächendeckend für Sachsen vom Ende des 15. Jhd. bis um 1856 überliefert und besitzen urkundlichen Charakter. Neben den 22.900 Bänden im Staatsarchiv konnten nennenswerte Bestände von Gerichtsbüchern in neun sächsischen Stadtarchiven, Bautzen, Dresden, Görlitz, Kamenz, Leipzig, Löbau, Meißen, Plauen, Zwickau, und dem Staatsfilialarchiv Bautzen in das Projekt einbezogen werden.
Die Erschließungsinformationen werden für die Benutzer künftig online auf der neuen Website „Sächsische Gerichtsbücher“ recherchierbar sein. Diese wurde in Kooperation mit dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V. - ISGV entwickelt und mit anderen Projekten wie dem „Digitalen Historische Ortsverzeichnis von Sachsen“ verknüpft.

Den Abschluss des Projekts bildete ein Fachkolloquium, das am 16. September 2016 im Staatsarchiv Leipzig veranstaltet wurde. Gemeinsam mit dem ISGV ist die neue Website während der Veranstaltung offiziell freigeschaltet worden. Neben dem bereits viel genutzten Online-Angebot des Staatsarchivs steht den Nutzern nun eine weitere Rechercheplattform zur Verfügung. „Damit haben wir den Zugang zu den häufig nachgefragten Gerichtsbüchern für unsere Nutzer erheblich vereinfacht und sehr komfortabel gestaltet“, hebt die Direktorin des Staatsarchivs, Dr. Andrea Wettmann, hervor. „Durch die Verknüpfung der Angaben aus dem Staatsarchiv mit den ortsbezogenen Datenbanken des ISGV ist in Sachsen ein komplexes Informationssystem entstanden, das über die Grenzen von Institutionen hinweg den Bürgern rasche und zielgerichtete Orientierung für ihre historische, heimat- oder familienkundliche Forschung bietet.“

Im Rahmen des Projekts sind 25.925 Gerichtsbücher mit einer Laufzeit von 1359 bis 1914 erfasst worden. Darin sind mehr als 218.000 Einträge zu ca. 4.700 Orten und 1.350 Gerichtsstellen ermittelt worden. Dabei handelt es sich überwiegend um Gemeinden in Sachsen, aber auch außerhalb Sachsens, heute in Thüringen, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, z. T. auch Tschechien und Polen.

erstellt am 28.09.2016 um 07:45

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